Kreative im Fokus: Johannes Pfeiffer

 

Hintergründe zum Künstler und seiner Seilinstallation:

Sie scheinen ihm Halt zu geben. Die weißen Schnüre am schiefen Metzgerturm. Bei Lichteinfall schimmern sie leicht, nicht aufdringlich, sondern einfach als schöne Ergänzung zum historischen Bauwerk. Seit 14. April kann man die Seilinstallation von Künstler Johannes Pfeiffer am Metzgerturm an der Donau bestaunen. Johannes Pfeiffer, in Ulm geboren, ist Landartkünstler und Installationskünstler und arbeitet in Berlin, Ulm, Tübingen und Turin. In seinen Arbeiten beschäftigt er sich mit dem prekären Gleichgewicht. Durch die Fäden scheint der "schiefe Turm von Ulm" Halt zu bekommen und lenkt den Blick aller Spaziergänger und Spaziergängerinnen noch einmal ganz anders auf ihn. Aber das Kunstwerk sagt noch viel mehr aus: auch unser gesellschaftliches Zusammenleben gerät immer wieder ins Ungleichgewicht, nicht zuletzt durch Pandemie und Krieg. Wie kann es wieder ins Gleichgewicht kommen? Ins Lot geraten? Wer oder was hält es zusammen? "Die Fäden verbinden das Materielle mit dem Immateriellen. Sie stellen also die Verbindung zwischen Materie und Geist her. Der Faden selbst ist das Immaterielle, das Licht, das Leuchten“, so der Künstler zur seiner Installation.

Mehr zum Kunstwerk, zum Künstlerleben von Johannes Pfeiffer sowie zu seiner Meinung über Kunst erfahrt ihr in unserer zweiten Folge "Kreative im Fokus", hier im Video.

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Wenn ihr Teil des Kunstprojekts werden und gleichzeitig für einen guten Zweck spenden wollt, könnt ihr es finanziell unterstützen. Der Künstler hat insgesamt zehn verschiedene Drucke bzw. Prägungen in verschiedenen Auflagen als Studien für dieses Projekt gefertigt. Die Hälfte des Verkaufserlöses der nummerierten und signierten Drucke und Prägungen fließt in die Refinanzierung des Projekts, die andere Hälfte geht an die „Aktion 100.000 / Ulmer helft“ der Südwest Presse Ulm. Die Kunstwerke könnt ihr online https://www.metzgerturm.de/ einsehen oder bis Ende Juni im "Kunstraum West" (Söflinger Straße 145, 89077 Ulm, https://www.kunstraum-west.de/) anschauen.

© Johannes Pfeiffer
© Stadt Ulm Kulturabteilung

Toll, dass mit der Kunstinstallation eine Ulmer Sehenswürdigkeit sowie ihre Geschichte ins Licht gerückt wird, die sonst nicht so im Mittelpunkt steht. Die Legende besagt, dass die Metzger im Turm eingesperrt wurden, weil sie die Bürgerinnen und Bürgern in Notzeiten mit minderwertigen Würsten betrogen hatten. Als ihnen Strafe angedroht wurde, drängten sich die wohl mit reichlich Hüftgold gesegneten Herren vor Schreck alle in eine Ecke - offenbar so, dass der Turm aus dem Lot geriet. Statiker nennen allerdings ganz andere Gründe für die Schieflage des um 1349 errichteten und 36,1 Meter hohen Bauwerks. Demnach ist das historische Fundament die Ursache. Die Gründung zur Donau hin fußte auf der alten Stadtmauer, zur Stadt hin aber auf Holzstämmen, die in Folge der Senkung des Donauwasserspiegels irgendwann verfaulten. 1911 kamen Beton-Fundamente rein. Seither hat sich die Neigung nach Westen stark verlangsamt. 2,05 Meter beträgt sie aktuell.